<

REMAKE, REMIX, RIP-OFF: Türkische Kopierkultur mit deutschem Kinostart

Wir hatten die Hoffnung schon aufgegeben, doch ab 5. Mai findet unsere filmgewordene Wundertüte des türkischen Pop-Kinos "Remake, Remix, Rip-Off" doch noch ihren Weg in ausgewählte, deutsche Kinos. Dropoutcinema sei Dank!

In dem aufwendig recherchierten Dokumentarfilm "Remake Remix Rip-Off" zeichnet Regisseur und Drehbuchautor Cem Kaya die Goldene Ära des populären türkischen Kinos (dem sogenannten "Yeşilçam") nach. Eine Zeit, als türkische Versionen von „Der Zauberer von Oz“, „Der Exorzist“, „Superman“, "Star Wars" oder „Star Trek“ in der Türkei große Erfolge feierten. Die technischen Unzulänglichkeiten der Filme wurden durch exzessiven körperlichen Einsatz vor und hinter der Kamera wettgemacht: Wo Luke Skywalker ein Mal zuschlägt, schlägt Action Star Cüneyt Arkın hundert Fach zu.

Cem Kayas "Remake Remix Rip-Off" läuft ab 5. Mai in handverlesenen Kinos, zunächst in Berlin, Nürnberg und München. In Berlin im Kino in der Brotfabrik, in München im Werkstattkino und in Nürnberg im KommKino. Für alle, die schon immer einmal einen türkischen E.T., einen türkischen Indiana Jones oder einen türkischer Star Wars-Streifen sehen wollten!

Zu verdanken ist die späte Kinoehre dem kleinen Filmverleih Drop-out Cinema, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Filme ins Kino zu bringen, die es unter normalen Marktbedingungen schwer haben.  Oder wie der Verleih selbst sagt: "Gutes Kino besorgt uns weder der „freie Markt“, noch darf man sich auf Papa Staat verlassen. Die interessantesten Kinoinitiativen basieren auf bürgerschaftlichem Engagement und Liebe zum Kino."

"Remake, Remix, Rip-Off"
"Remake, Remix, Rip-Off"
"Remake, Remix, Rip-Off"
 
"Remake, Remix Rip-Off"
"Remake, Remix, Rip-Off"
"Remake, Remix, Rip-Off"
 

Über den Film
Kayas Dokumentarfilm ist eine Hommage an das türkische Kino der 60er und 70er Jahre, das mit dem Aufkommen des Fernsehens in den 70er Jahren und den strikten politischen Richtlinien in den 80er Jahren einen stetigen Rückgang verzeichnen musste. Viele Kinos, die ausschließlich türkische Filme zeigten, sahen sich gezwungen, ihre Türen zu schließen. Amerikanische Blockbuster waren auf dem Vormarsch. Die dramatische Entwicklung erreichte 2013 ihren Klimax, als das berühmte „Emek“- Kino in Istanbul für den geplanten Bau eines Einkaufszentrums weichen sollte. Angesiedelt im Istanbuler Beyoglu-Viertel in der Yeşilçam-Straße – in der die großen türkischen Filmstudios der 50er- bis 70er-Jahre ihren Sitz hatten – finden sich hier bis heute die meisten Traditionskinos von Istanbul. Das „Emek“ ist die älteste und renommierteste Filmstätte unter ihnen.

Zum Inhalt 
In ihrer Hochphase – den 60er und 70er Jahren – zählte die türkische Filmindustrie zu den produktionsstärksten, obwohl sie finanziell und strukturell instabil war. In Ermangelung an Stoffen und Filmautoren und angesichts der großen Nachfrage, drehten die wenigen Drehbuchautoren und Regisseure des Landes die Filme ihrer amerikanischen und europäischen Konkurrenz einfach nach. Dabei wurde kaum ein Blockbuster ausgelassen.

Die Arbeiten an Kayas Kompilationsfilm erstreckten sich über sieben Jahre, in denen tausende Filme gesichtet und etwa hundert Interviews geführt wurden. Der Regisseur beleuchtet in seiner Doku in erster Linie die Kopierpraxis der türkischen Filmemacher von den Anfängen des türkischen Kinos bis hin zu den heutigen Fernsehserien.

UFA Fiction auf Facebook

Durch die Nutzung der Kommentierungsfunktion erkläre ich mich mit den Nutzungsbedingungen der Diskussionsplattform DISQUS einverstanden.
Weitere Informationen befinden sich unter Datenschutz.